Huilerie La Semeuse

Zur Erinnerung :

Der 7. Juli 1900 war der Tag, an dem in La Chaux-de-Fonds ein Lebensmittelgeschäft für Kolonialwaren und Öle unter dem Namen „M. & N. Bloch“ im Handelsregister eingetragen wurde. Zunächst befand sich ihr Geschäft an der Rue du Marché 1. Das Geschäft lief gut, so dass sie schon im November 1905 an der Rue du Commerce 7 grössere Räumlichkeiten bezogen.

Den Handel mit Lebensmitteln gaben die Brüder Bloch allerdings bald auf.

Neu waren es der Import und der Vertrieb von Erdnussöl, die das das junge Unternehmen prägten. Es sollte noch manches Jahr lang „HUILERIE LA SEMEUSE“ heissen.

Erfolgreich mit LA SEMEUSE Erdnussöl

Hätten Sie gedacht, dass Marc Bloch (1877-1916), der Gründer von LA SEMEUSE, der Erste war, der  Marseille-Öl und -Seife im Neuenburger Jura vertrieb ?

5-Liter-Ölkanister von La Semeuse

Öl, Seife und Kaffee

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts kochten die Menschen meist mit Fetten und Ölen tierischen Ursprungs, etwa Schweineschmalz, Gänse- oder Nierenfett. Die Juden kochten selbstverständlich nicht mit Schweineschmalz, sondern mit Gänsefett.

Vielleicht war es, weil tierische Fette damals knapp waren. Auf jeden Fall war Marc Bloch seiner Zeit weit voraus und nahm einen aktuellen Trend vorweg. Er suchte nach einer pflanzlichen Alternative zu tierischen Fetten – und zwar eine, die nicht ranzig wird.

Marc Bloch überlegte, recherchierte und wählte schliesslich als Lieferanten die Huileries Maurel & H. Prom & Maurel Frères in Marseille, eine Gesellschaft, die heute nicht mehr existiert.

Das Unternehmen war ein wichtiger Player in der Erdnussindustrie sowie im Handel zwischen Afrika und Frankreich. Seine Erdnüsse stammten aus dem Senegal, einer früheren französischen Kolonie. Sie wurden gemahlen und zu Mehl verarbeitet. Dieses wurde in flache Säcke, so genannte Körbe, gefüllt und das Öl aus der Masse gepresst. Die fetten Kuchen, die übrig blieben, dienten meist als Viefutter.

Das von LA SEMEUSE verkaufte Öl war von sehr guter Qualität, da es nicht auf chemischem Weg gewonnen, sondern auf traditionelle Weise gepresst wurde. So war es fetter und damit länger haltbar. Magereres Öl wird schneller ranzig.

Marc Bloch erschloss für sein Geschäft diese neue Nische. Von Zeit zu Zeit besuchte er seinen Lieferanten in Marseille. Von dort brachte er eines Tages die berühmte Seife «Savon de Marseille» in den Neuenburger Jura mit. Begehrt waren vor allem die 400g- und 500g-Würfel der Seifenfabrik «Fer à Cheval». Er schichtete sie in der oberen Kammer zu einer Pyramide, damit sie trocknen konnten. Die ersten Reklamen weisen auf die beiden neuen Produkte hin: Öl und Marseille-Seife.

Reklame der Ölhandlung La Semeuse von 1915

1906 trennten sich Marc und Nathan Bloch. Nathan gründete unter dem Namen „La Gauloise“ in La Chaux-de-Fonds ein Konkurrenzunternehmen. In jenen Jahren zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele Ölhandlungen gegründet, aber nur die wenigsten konnten sich länger halten als ein paar Jahre. LA SEMEUSE jedoch blieb und floriert bis heute.

Insgesamt beschäftigte das Unternehmen bis zu 15 Personen. Ab 1910 und trotz der Schrecken des 1. Weltkriegs, in dem 1916 auch der Unternehmensgründer fällt, entwickelt sich LA SEMEUSE bis zum 2. Weltkrieg erfreulich.

Per Bahn von Marseille in den Jura

Das Öl wurde mit der Bahn in 200-Liter-Fässern von Marseille nach La Chaux-de-Fonds transportiert (zwischen 1928 und 1930 nur ein Wagen pro Monat). In der Jurastadt wurde es mit einer Handpume in grosse, runde Tanks umgefüllt und so gelagert. Verkauft wurde es in 5-Liter-Kanistern.

Entladerampe im Bahnhof SBB
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